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2009 fand
die erste Auflage des Springtime Rock Festival in der Color Line Arena
in Hamburg statt. Angekündigt waren insgesamt sechs Bands, die alle ein
komplettes Live-Set spielen sollten. Jedoch stellte sich recht schnell
heraus, dass dem nicht so wahr, aber fangen wir beim Anfang an.
Als erste Band war Sweety Glitter & the Sweethearts dran. Die Truppe
coverte sich quer durch die Rockgeschichte der 70er und 80er Jahre.
Titel von The Sweet oder Cheap Trick standen auf dem Programm. Mit
Perücken und bunten Glitzeranzügen sollte an den Glam Rock der 70er
Jahre erinnert werden. Vollkommen ungewöhnlich war auch ihr
Konzertbeginn: ein Schlagzeugsolo gleich zum Start. Sweety Glitter & the
Sweethearts gaben sich alle Mühe, aber ich war nicht wirklich traurig
als sie nach ca. 30 Minuten fertig waren.
Danach kam T.Rex, ein
bekannter Name, der aber mit der eigentlichen Band um Marc Bolan außer
der Musik nichts mehr zu tun hat und auch mehr eine Coverband ist.
Routiniert spielten sie die Hits von T.Rex, egal ob "Hot Love", "Get it
on" oder "Jeepster" und sorgten so für gute Stimmung im
Publikum, allerdings merkte man auch, dass die eigentlich Musiker nicht
mehr dabei waren. Einige Zuschauer meinten sogar, Marc Bolan würde sich
im Grab umdrehen. Den meisten hat es aber gefallen und der Stimmung tat
es keinen Abbruch.
Danach kamen dann Slade, wo die Originalmitglieder Dave Hill und Don
Powell noch immer Gitarre bzw. Schlagzeug bedienen. Vom ersten Song an
blieb die Stimmung auf konstant hohem Niveau, bei vielen Hits vom Slade
wurde ordentlich mitgesungen. Bassmann John Berry tauschte zwischendurch
den Bass gegen eine weiße Geige.
Anschließend war mit Nazareth das
nächste Rock-Urgestein aus den 70ern dran. Die Jungs um Dan McCafferty
und Pete Agnew spulten ihr Programm wie immer routiniert und sehr gut
runter. Natürlich durfte auch der obligatorische Dudelsack-Einsatz
von Dan McCafferty nicht fehlen. Sowohl Slade als auch Nazareth spielten
ca. 45 Minuten.
Fünfte Band des Festivals war dann Golden Earring, die mit 75 Minuten
den längsten Auftritt hatten. Die Holländer waren einige Jahre schon
nicht mehr in Deutschland und werden gerne mal auf ihren Überhit "Radar
Love" reduziert, dass sie viel mehr gute Songs haben, zeigten sie auch in
Hamburg wieder einmal eindrucksvoll. Sänger Barry Hay unterstützte bei
mehreren Songs seinen Kollegen George Kooymans an der Gitarre. Bassist
Rinus Gerritsen war nicht so ganz mit den Einstellungen zufrieden und
korrigierte diese munter während des Auftritts. Bei "Radar Love" griff
Hay dann zum Schellenring, während Gerritsen seinen Doppelhals-Bass
rausholte und damit ein Bass-Solo sondergleichen hinlegte. Auch Drummer
Cesar Zuiderwijk legte hier ein Solo hin, bei dem die anderen drei ihn
zeitweise alleine auf der Bühne zurückließen. Durch die einzelnen Soli
wurde "Radar Love" mal eben auf ungefähr zehn Minuten ausgedehnt, aber
man konnte immer erkennen, dass es noch "Radar Love" ist.
Das war bei
Manfred Mann's Earth Band nicht immer der Fall. Der vermeintliche
Headliner spielte insgesamt 60 Minuten übertrieb es aber mit den Soli
und verfremdete die Songs teilweise so stark, dass man nicht mehr
wusste, welches Lied nun gerade gespielt wurde. Die Bühne war nun fast
leer, so dass man die einzelnen Musiker immer sehr gut im Blick hatte,
auch als Sänger Noel McCalla bei einem der vielen Soloparts sich mal
etwas zurück ziehen wollte, er jedoch keine Möglichkeit hatte, sich zu
"verstecken".
Musikalisch war das Springtime Rock Festival bedingt gelungen. Von den
einzelnen Bands konnte keine das angekündigte volle Live-Set spielen,
dazu war einfach nicht genug Zeit. Ein oder zwei Bands weniger wären
sicherlich besser gewesen, so dass die einzelnen Bands auch wirklich das
angekündigte volle Live-Set hätten spielen können. Die notwendigen
Umbaupausen zwischen den einzelnen Bands wurden leider überhaupt nicht
genutzt, lediglich die nächste Band wurde kurz angesagt, das habe ich
bei anderen Festivals auch schon anders/besser erlebt. Das Merchandising
ließ auch stark zu wünschen übrig, lediglich ein kleiner Stand war
vorhanden und hier konnten nicht mal Fanartikel aller beteiligten Bands
erstanden werden, zumal der Stand auch noch lt. eigener Auskunft während
des Auftritts von Golden Earring abgebaut wurde. Auch die Essensauswahl
ließ zu wünschen übrig, außer Brezeln und Pizzen gab's nur Getränke, da
das Festival sich aber vom Nachmittag bis in den späten Abend hinzog,
war das reichlich eintönig.
Text: Wolfram Schenck |