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Springtime Rock Festival
21. März 2009, Color Line Arena,
Hamburg

2009 fand die erste Auflage des Springtime Rock Festival in der Color Line Arena in Hamburg statt. Angekündigt waren insgesamt sechs Bands, die alle ein komplettes Live-Set spielen sollten. Jedoch stellte sich recht schnell heraus, dass dem nicht so wahr, aber fangen wir beim Anfang an.

Als erste Band war Sweety Glitter & the Sweethearts dran. Die Truppe coverte sich quer durch die Rockgeschichte der 70er und 80er Jahre. Titel von The Sweet oder Cheap Trick standen auf dem Programm. Mit Perücken und bunten Glitzeranzügen sollte an den Glam Rock der 70er Jahre erinnert werden. Vollkommen ungewöhnlich war auch ihr Konzertbeginn: ein Schlagzeugsolo gleich zum Start. Sweety Glitter & the Sweethearts gaben sich alle Mühe, aber ich war nicht wirklich traurig als sie nach ca. 30 Minuten fertig waren.
Danach kam T.Rex, ein bekannter Name, der aber mit der eigentlichen Band um Marc Bolan außer der Musik nichts mehr zu tun hat und auch mehr eine Coverband ist. Routiniert spielten sie die Hits von T.Rex, egal ob "Hot Love", "Get it on" oder "Jeepster" und sorgten so für gute Stimmung im Publikum, allerdings merkte man auch, dass die eigentlich Musiker nicht mehr dabei waren. Einige Zuschauer meinten sogar, Marc Bolan würde sich im Grab umdrehen. Den meisten hat es aber gefallen und der Stimmung tat es keinen Abbruch.

Danach kamen dann Slade, wo die Originalmitglieder Dave Hill und Don Powell noch immer Gitarre bzw. Schlagzeug bedienen. Vom ersten Song an blieb die Stimmung auf konstant hohem Niveau, bei vielen Hits vom Slade wurde ordentlich mitgesungen. Bassmann John Berry tauschte zwischendurch den Bass gegen eine weiße Geige.
Anschließend war mit Nazareth das nächste Rock-Urgestein aus den 70ern dran. Die Jungs um Dan McCafferty und Pete Agnew spulten ihr Programm wie immer routiniert und sehr gut runter. Natürlich durfte auch der obligatorische Dudelsack-Einsatz  von Dan McCafferty nicht fehlen. Sowohl Slade als auch Nazareth spielten ca. 45 Minuten.

Fünfte Band des Festivals war dann Golden Earring, die mit 75 Minuten den längsten Auftritt hatten. Die Holländer waren einige Jahre schon nicht mehr in Deutschland und werden gerne mal auf ihren Überhit "Radar Love" reduziert, dass sie viel mehr gute Songs haben, zeigten sie auch in Hamburg wieder einmal eindrucksvoll. Sänger Barry Hay unterstützte bei mehreren Songs seinen Kollegen George Kooymans an der Gitarre. Bassist Rinus Gerritsen war nicht so ganz mit den Einstellungen zufrieden und korrigierte diese munter während des Auftritts. Bei "Radar Love" griff Hay dann zum Schellenring, während Gerritsen seinen Doppelhals-Bass rausholte und damit ein Bass-Solo sondergleichen hinlegte. Auch Drummer Cesar Zuiderwijk legte hier ein Solo hin, bei dem die anderen drei ihn zeitweise alleine auf der Bühne zurückließen. Durch die einzelnen Soli wurde "Radar Love" mal eben auf ungefähr zehn Minuten ausgedehnt, aber man konnte immer erkennen, dass es noch "Radar Love" ist.
Das war bei Manfred Mann's Earth Band nicht immer der Fall. Der vermeintliche Headliner spielte insgesamt 60 Minuten übertrieb es aber mit den Soli und verfremdete die Songs teilweise so stark, dass man nicht mehr wusste, welches Lied nun gerade gespielt wurde. Die Bühne war nun fast leer, so dass man die einzelnen Musiker immer sehr gut im Blick hatte, auch als Sänger Noel McCalla bei einem der vielen Soloparts sich mal etwas zurück ziehen wollte, er jedoch keine Möglichkeit hatte, sich zu "verstecken".

Musikalisch war das Springtime Rock Festival bedingt gelungen. Von den einzelnen Bands konnte keine das angekündigte volle Live-Set spielen, dazu war einfach nicht genug Zeit. Ein oder zwei Bands weniger wären sicherlich besser gewesen, so dass die einzelnen Bands auch wirklich das angekündigte volle Live-Set hätten spielen können. Die notwendigen Umbaupausen zwischen den einzelnen Bands wurden leider überhaupt nicht genutzt, lediglich die nächste Band wurde kurz angesagt, das habe ich bei anderen Festivals auch schon anders/besser erlebt. Das Merchandising ließ auch stark zu wünschen übrig, lediglich ein kleiner Stand war vorhanden und hier konnten nicht mal Fanartikel aller beteiligten Bands erstanden werden, zumal der Stand auch noch lt. eigener Auskunft während des Auftritts von Golden Earring abgebaut wurde. Auch die Essensauswahl ließ zu wünschen übrig, außer Brezeln und Pizzen gab's nur Getränke, da das Festival sich aber vom Nachmittag bis in den späten Abend hinzog, war das reichlich eintönig.

Text: Wolfram Schenck