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Eine
Stunde vor Konzertbeginn komme ich im Treffpunkt an und bereits jetzt
ist es rappelvoll. Karten an der Abendkasse gibt es keine mehr und man
muss sich regelrecht durch die Menschenmassen schieben. Zuerst begebe
ich mich zur Theke, um eine Cola zu holen. Auf dem Weg dorthin begrüße
ich den Gitarristen Ali Neander, der noch entspannt im Publikum
sitzt und plaudert. Anschließend versuche ich einen möglichst
guten Platz zu ergattern, was allerdings nicht besonders erfolgreich
ist.
Man merkt sofort, dass dieser Abend ein ganz besonderes Konzert werden wird.
Henni Nachtsheim ist schließlich nur wenige hundert Meter vom
Treffpunkt aufgewachsen und war schon als Jugendlicher hier.
Punkt 20:30 Uhr beginnt das Konzert. Henni betritt zunächst alleine die
Bühne und begrüßt das Publikum mit einem A-Capella-Lied, das von von
der Oma eines Freundes handelt, die ihm allerhand gute Tipps für den
Auftritt gegeben hat. Bereits jetzt wird das Publikum zum Mitmachen
animiert. Im Anschluss kommt auch Hennis Band auf die Bühne. Bevor es
mit dem ersten Song vom neuen Album "... dann tanzt die Omma mit
George Clooney" losgeht, begrüßt Henni noch ein paar bekannte
Gesichter im Publikum.
Nun beginnt das eigentliche Konzert, falls man denn überhaupt von Konzert
sprechen kann. Happening wäre vielleicht der bessere Begriff, denn
Henni erzählt zwischen den einzelnen Liedern immer wieder einige
lustige Anekdoten, die den einen oder anderen dann doch etwas peinlich
berühren, denn mancher war bei der einen oder anderen Geschichte dabei.
Aber wie Henni selbst sagte, ist er eben Hesse und kann die Klappe
deshalb nicht halten.
Anschließend spielte die Band alle elf Titel des neuen Albums, die wie schon beim
ersten Album von den Banalitäten und Kuriositäten des Alltags handeln,
so geht es diesmal um verlorene Wetten, eine bescheuert anzusehende
Sportart, um die Tatsache, dass irgendwas immer fehlt oder vom
Klingelton-Frosch, der bei Henni ungefragt einzieht. Bei letzterem Lied
tritt Sängerin Lea Büser im Ganzkörper-Froschkostüm auf. Da sie
dafür erst noch einige Zeit zum umziehen benötigt, gibt Henni dem
Publikum erst mal einen detaillierten Einblick in die Familie der
Froschlurche und erfährt so einiges über Grünfrösche, Braunfrösche,
Laubfrösche, Unken und Kröten. Natürlich dürfen auch ein paar Songs
vom ersten Album nicht fehlen und für die Sportfans sind die Hymnen der
Frankfurt Lions (Kühler Kopf und hessisches Herz) sowie Eintracht
Frankfurt (Herz rotschwarz gestreift) im Programm. Das Publikum zeigt
sich sehr textsicher und singt auch bei den sehr eingängigen neuen
Stücken schnell mit. Schließlich erfüllt sich Henni wieder mal seinen
Jugendtraum und lässt sich von den weiblichen Fans wie eine Boyband
bekreischen. passend dazu gibt es seine Version von "I swear",
die aber bis auf den Refrain nichts mehr mit dem Lied von All-4-One zu
tun hat.
Nach fast zwei Stunden soll dann Feierabend sein, aber da hat Henni
natürlich die Rechnung ohne seine Fans gemacht. Die Band kommt zum
ersten Zugabenteil wieder raus. Nun werden mit "Der kleine
Pirat" und "So oder so" auch die ersten beiden Titel der
Rodgau Monotones, wo Henni früher Sänger und Saxophonist war,
gespielt. Nach insgesamt weiteren vier Titeln soll dann endgültig
Feierabend sein, aber wieder geben die Fans keine Ruhe und klatschen
unentwegt weiter bis die Band für weitere zwei Titel zum allerletzten
Mal herauskommt. Das nun wirklich letzte Lied des Abends ist "Is'
nur Kino". Henni kündigt es als ein Lied an, dass er sehr liebt und dass nun noch gespielt werden müsste, obwohl
seine Stimme eigentlich schon kaputt ist. Auch ich liebe dieses Lied und
mit meiner Stimme verhält es sich spätestens nach dem Lied genauso wie
mit Hennis. Und so gehe ich nach einem der besten Konzerte, die ich je
gesehen habe, gut gelaunt nach Hause. Da kann auch der leichte
Nieselregen an diesem Abend nix dran ändern.
Text: Wolfram Schenck |