|
Die Anreise
zum Konzert in Chemnitz war nicht einfach, es war sogar eher, als wenn
mich Petrus unbedingt daran hindern wollte, das Konzert zu besuchen.
Doch die 250 Kilometer Anreise von Nürnberg nach Chemnitz (durch
Schneechaos, bei schlechter Sicht) sowie das Anstehen vor der Halle in
der Kälte haben sich gelohnt.
Vom Einlass um kurz vor 19:00 Uhr bis zum Beginn des Konzerts um 20:00
Uhr haben mein Bruder und ich uns am Rand sitzend angesehen, wie die
Halle langsam voller wurde. Das haben wir jedoch gar nicht mal so
dramatisch eingeschätzt, denn auch noch um kurz vor 20:00 Uhr konnten
wir einen guten Stehplatz ergattern.
Pünktlich um 20:00 Uhr hat Breiti dann die Vorband angekündigt: eine
norwegische Hardrockband namens Bloodlights. Die waren nicht weiter
besonders, weder besonders gut, noch besonders schlecht, und meines
Erachtens hat die Musikrichtung einfach nicht zu den Hosen gepasst,
weshalb auch nicht wirklich Stimmung aufkam. Eher haben alle darauf
gewartet, dass die Hosen anfangen. Bezeichnend dafür war auch, dass der
größte Jubel ausbrach, als "Überraschung" Vom Ritchie auf die Bühne kam
und einen Song der Vorband am Schlagzeug begleitet hat.
Nach einer halben Stunde hat die Vorband dann auch aufgehört, und nach
einer weiteren halben Stunde Bühnenumbau kamen dann um 21:00 Uhr endlich
die Toten Hosen auf die Bühne und begannen mit dem ersten Song ihres
neuen Albums, "Strom". Und unter Strom stand auch gleich die gesamte
Halle, so sehr, dass man aufpassen musste, dass man von wild
umherhüpfenden Menschen nicht umgehauen wurde, ...so sehr, dass man die
Arme nah am Körper halten musste, um Ellenbogen in Magen und Lunge zu
vermeiden. So ging es dann die ersten drei Lieder lang, bis Campino
seine erste "Ansprache" hielt. Dort sprach er davon, dass die Fans sich
gegenseitig aufhelfen sollen, wenn jemand hinfällt, und daraufhin wurde
es bei den nächsten Songs auch zunächst etwas ruhiger, nur noch
vereinzelt wurde man geschubst.
Da wir sehr weit vorne standen, war der Blick auf die Bühne gut, und die
Leinwände, auf denen die Bühnensicht teilweise bereits bearbeitet
(schwarz-weiß, Perspektivenwechsel etc.) übertragen wurde, waren nicht
unbedingt notwendig. Die Stimmung war wirklich klasse und eigentlich
konnte man das gesamte Konzert mitsingen. Was mir gut gefiel, war die
Mischung aus neuen und älteren Liedern, die wirklich sehr ausgewogen
war.
Nach etwa einer Stunde kam dann "Freunde", ein eigentlich typisches
Schlusslied, welches auch entsprechend zelebriert wurde. In Wirklichkeit
nahm die Band das jedoch nur zum Anlass um sich umzuziehen; die Bühne
wurde etwas umgebaut und dann kam Campino wieder heraus und verkündete,
dass er angesichts der Tatsache, dass ja Samstag Abend sei, genau so gut
noch etwas bleiben könne (trotz des schlechten Biers, vor dem er gewarnt
hatte, gerade, als wir uns zum Getränkestand durchgekämpft hatten; nur
gut, dass wir eh Zitronenlimonade trinken wollten...). Wenn "wir nichts
dagegen hätten", sei nun Halbzeit. Wir hatten natürlich nichts dagegen.
Zu Beginn dieser zweiten Halbzeit kamen dann auch Esther Kim und Raphael
Zweifel auf die Bühne, welche bereits vom Unplugged-Konzert im Wiener
Burgtheater bekannt sind. So wurden auch entsprechend ruhigere Stücke
gespielt; mit Esther am Piano, Raphael am Cello und akkustischen
Gitarren. Berührend war "Tauschen gegen dich", das vorletzte Lied vom
neuen Album, zuvor noch nie live gespielt. Hier kam, wie zuvor schon bei
"Steh auf wenn du am Boden bist", richtig Gänsehautstimmung auf. Direkt
danach kam der Klassiker aller Hosen-Trinklieder, "Eisgekühlter
Bommerlunder" mit Campino an der Trompete. Danach verschwanden Esther,
Raphael und die akkustischen Gitarren wieder und es ging weiter mit
einem Medley aus Klassikern wie "Schwarzwaldklinik", "Opelgang" oder
"Liebesspieler". Hier passierte es mir auch das erste Mal, dass ich ein
Lied nicht mitsingen konnte. Anschließend dann das "Bayern"-Lied, wo
Campino dann ins Publikum sprang und etwa 5 Minuten lang stage-divend
weitersang.
Und dann neigte sich mit dem Schlusslied aller Schlusslieder "Schönen
Gruß und auf Wiedersehn" das Konzert endgültig dem Ende zu, und die
Zugaben wurden eingeleitet, und zwar von Vom als Sänger, während Kuddel
für ihn am Schlagzeug übernahm, mit seinem Worm Song. Danach (wieder in
gewohnter Formation) kamen dann noch "Schön sein", "Bis zum bitteren
Ende", "Zehn kleine Jägermeister" und "You'll never walk alone".
Anschließend war das Konzert dann unter großem Jubel nach einer
Gesamtlänge von 134:16 Minuten (ohne Vorband) endgültig zu Ende.
Und im Vergleich zum Stau beim Einlass und dem teilweise irrationalem
Gedränge während des Konzerts kam man erstaunlich leicht und flüssig zum
Auto, und da mein Auto als erstes vom Schnee freigekratzt war, kamen wir
dann auch (im Schneckentempo), relativ schnell zum Hotel. Alles in allem
also ein gelungener Konzertabend mit einer guten Mischung aus altem
(Bayern) und neuem (Tauschen gegen dich), Quatschliedern (Bofrost-Mann),
rockigen Songs (Hier kommt Alex) und nachdenklichen Liedern (Nur zu
Besuch), wo keiner enttäuscht wurde.
Abschließend noch die gesamte Setlist:
Strom
Du lebst nur einmal
All die ganzen Jahre
Innen alles neu
Auswärtsspiel
Disco
Madelaine aus Lüdenscheid
Liebeslied
Alles aus Liebe
Wünsch dir was
Wir bleiben stumm
Bofrost-Mann
Cokane in my brain
Niemals einer Meinung
Alles was war
Nur zu Besuch
Steh auf, wenn du am Boden bist
Teil von mir
Pushed again
Hier kommt Alex
Freunde
The Guns of Brixton
Hand in Hand
Tauschen gegen Dich
Eisgekühlter Bommerlunder
Ertrinken
Medley
Bayern
Schoenen Gruss, auf Wiederseh'n
Worm Song
Schön sein
Bis zum bitteren Ende
Zehn kleine Jägermeister
You'll never walk alone
Text:
Stephanie Althaus |