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Viele
Rocklegenden sind im 21. Jahrhundert dabei, ihr eigenes Denkmal zu
zerstören, indem sie schlechte Produktionen abliefern, die
Live-Qualitäten sehr zu wünschen übrig lassen, oder sie schlicht und
einfach das Aufhören vergessen haben.
Doch wie sieht das bei Alice Cooper aus, der ja auch immerhin schon
knapp 40 Jahre im Geschäft ist, der Vorbild für viele Generationen von
Musikern auf der ganzen Welt war und ist, der meistens stilistisch eine
Vorreiterrolle einnahm? Nun, seine Studioproduktionen sind immer noch
sehr solide, auch wenn sie nicht mehr an die Erfolge aus den 70ern und
80ern anknüpfen können, hörenswert sind sie jedoch nach wie vor. Der
nächste Silberling "Along came a spider" erscheint übrigens noch in
diesem Monat.
Die dazugehörige Tour hat ihn auch für wenige Termine nach Europa
gebracht, einer davon war heute Abend in Osnabrück. Was erwartet einen
auf einem Konzert von Alice Cooper im Jahr 2008? Kann er es noch? Kommt
da überhaupt wer? Und wie sie kamen! Die Halle Gartlage war voll, zwar
nicht ausverkauft, aber viel kann nicht gefehlt haben, und das bei einem
Preis von 40,00 Euro an der Abendkasse. Aus allen Altersgruppen waren
Leute da, Alice Cooper kann also immer noch Generationen faszinieren und
für sich gewinnen.
Als Vorband sollten Benedictum aus England die Zuschauer in Stimmung
bringen. Naja... es soll Leute geben, denen gefällt lautes
Double-Bass-Geknüppel mit Gesang von einem aufgeschossenen
Busenwunder... und davon waren etliche da, es kam ganz gut Stimmung auf,
mein Geschmack war das allerdings überhaupt nicht. Ja, und wie war er
denn nun, der Alice Cooper? Ich sag's mal so: Wer den spacigen Sound der
Alice Cooper Band aus den 60ern und 70ern erwartet, der wird enttäuscht
werden. Wer die großen Theaterinszenierungen aus den 70ern und 80ern
erwartet, der kommt 20 Jahre zu spät. Wer aber einfach nur zeitlose
Rockklassiker in einem frischen, kraftvollen Sound mit einer Alice
Cooper würdigen Show erwartet, der kann eigentlich nichts verkehrt
machen. Alice Cooper bringt seine großen Hits aus allen Epochen auf die
Bühne, gespielt von einer jungen Band, die viel Schwung und Energie in
die Titel bringt. Dazu eine Bühnenshow mit viel Requisite, auch als
Souvenir zum mit nach Hause nehmen, vorausgesetzt, man hat sich den
richtigen Platz ausgesucht und kann fangen.
Konkret spielen in der Alice Cooper Band 2008 Keri Kelli und Jason Hook
an der Gitarre, Chuck Garric am Bass und kein geringerer als Eric Singer
am Schlagzeug. Sehr solide, mit einem modernen Sound, aber trotzdem
unverwechselbar Alice Cooper, spielen sie Titel wie "No more Mr. Nice
Guy", "I'm eightteen", "Feed my Frankenstein", "Under my wheels", "Is it
my body", "Desperado", "Dead Babies", "Only women bleed", "I love the
dead", "School's out" und viele weitere aus dem Gesamtwerk von Alice
Cooper. Als Zugaben gab es noch "Billion Dollar Babies", "Elected" (mit
Wahlkampf der Demokraten) und "Poison". Und das alles live, von einigen
wenigen Keyboardsamples mal abgesehen. Soli sind immer eine zwiespältige
Sache, der eine liebt sie, der andere hasst sie, und live gibt es sie
fast jedes Mal, natürlich auch bei Alice Cooper. "Desperado" leitete so
zum Beispiel ein Akustik-Gitarren-Solo von Keri Kelli im spanischen Stil
ein, bei dem schnell klar wurde, was der Mann imstande ist, aus dem
Instrument herauszuholen. Entsprechende Begeisterung gab's im Publikum.
Als zweites Solo gab es ein Schlagzeug / Bass-Solo, wenn man das
überhaupt Solo nennen kann, denn getrommelt haben außer Eric Singer auch
die beiden Gitarristen, das ganze untermalt und getragen vom dumpfen
Wummern des Precision-Basses, sehr schön anzusehen und überhaupt nicht
langweilig. Und Alice Cooper selber? Sehr souverän, topfit, körperlich
wie stimmlich, der Mann ist auch immerhin schon 60 Jahre alt,... merkt
man aber nicht.
Seine Bühnencrew wird genauso mit in die Show einbezogen wie die Band
auch, und mit seiner Tochter Calico Cooper wird quasi eine
Familientradition fortgeführt, denn auch ihre Mutter Sheryl, Alice' Frau
war schon Tänzerin in seiner Show. So ist immer ordentlich was los auf
der Bühne, so wie man es von Alice Cooper erwartet. Anfangs beschränkte
sich die Show auf songdienliche Requisite, aber als "Welcome to my
nightmare" aus den Boxen kam, war wohl jedem klar, dass jetzt der
spektakulärere Teil kam. Es folgten "Cold Ethyl", "Steven" und andere
Titel aus dem "Welcome to my nightmare"-Programm, den Höhepunkt bildeten
ohne Zweifel "Ballad of Dwight Fry" und "I love the dead", denn auch
Madame Guillotine war anwesend.
Alice Cooper hat in knapp zwei Stunden ein Feuerwerk seiner Hits
abgefeuert, das viel Spaß gemacht und sicher bei den meisten
Erinnerungen wachgerufen hat. Und das in einer Qualität, bei der sich
viele andere Größen des Genres was abgucken können. Ein Urgestein des
Rock also, das noch ordentlich im Geschäft ist und noch lange nicht zum
alten Eisen zählt. Im Herbst kommt Alice Cooper wieder nach Deutschland
zu einer gemeinsamen Tournee mit Whitesnake, auch so eine Legende...
Aber schon allein wegen Alice Cooper lohnt sich der Weg dort hin! |