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Kurz nach 20 Uhr betrete ich den Sinkkasten in Frankfurt/Main. Es sollte ein ungewöhnlicher Abend werden. Ungewöhnlich, dass sich eine Ostband in den Westen verirrt, aber an diesem Abend waren Engerling ja mehr oder weniger nur das Beiwerk für Mitch
Ryder. A propos Beiwerk: Mitch Ryder hat seit etwa zwei Jahren auf seinen Konzerten ein Foto- und Filmverbot, da seiner Meinung nach die Musik im Mittelpunkt eines jeden Konzerts steht, und auch nicht durch Blitzlicht und ähnliches abgelenkt werden soll.
Ungewöhnlich auch die Location, denn der Sinkkasten ist nicht gerade groß und fast durchweg bestuhlt. Die Bühne ist recht klein und darauf sechs Musiker samt Schlagzeug, Keyboards, Mikrofonständern, mehreren Gitarren und diversem Equipment unterzubringen ist schon eine organisatorische Meisterleistung.
Mit etwa 15 Minuten Verspätung fängt das Konzert schließlich an und beim Betreten der Bühne hat meine Verwunderung, ob der sechs Musiker auch ein Ende. Engerling sind ja schließlich zu viert und Mitch Ryder auch nur eine Person. Macht zusammen also fünf. Jedoch sehe ich auf der Bühne auch noch Gisbert "Pitti" Piatkowski, der an diesem Abend Gast-Gitarrist ist.
In den folgenden ca. 135 Minuten bekomme ich nun in den ersten 90 Minuten einen Querschnitt von Mitch Ryders Schaffen geboten. Angefangen bei Stücken seiner ersten LP von 1966 bis hin zu seiner aktuellen CD "You deserve my art". Danach beginnt der Zugabenteil. Nun gibt es Coverversionen zu hören, was an der Stimmung im Sinkkasten jedoch nichts ändert. Die ist nach wie vor gut.
Man merkt den Musikern geradezu an, dass sie jede Menge Spaß haben vor dieser recht überschaubaren, aber sehr gut gelaunten Zuschauergruppe zu spielen. Mitch Ryder erzählt zu jedem einzelnen Lied eine kleine Anekdote und ist auch sonst immer zu einem Witz aufgelegt. So bemerkt er zum Beispiel zu Beginn des Konzerts, dass das Publikum ja doch schon etwas älter ist und die jüngeren Zuschauer sicherlich in Vertretung ihrer Großeltern da sein müssen. Ganz so alt ist das Publikum dann aber auch noch nicht. Mitch Ryder selbst dürfte mit seinen fast 63 Jahren (fünf Tage nach dem Konzert ist er 63 geworden) der älteste im Raum gewesen sein, was ihn jedoch nicht daran hindert, ein absolut erstklassiges Konzert abzuliefern.
Gegen 23:30 Uhr verlasse ich den Sinkkasten wieder und mache mich auf den Heimweg. Meine Kamera habe ich leider umsonst mitgeschleppt, aber das wichtigste war eh die Musik.
Text:
Wolfram Schenck |