|
Samstagabend
kurz vor 23:00 Uhr. Es ist ziemlich kalt, und in Kürze soll die Modern
Soul Band spielen, die letzte Band unseres Ostmusik-Programms.
Der Sänger geht zum Mikrofon, nun geht's los. Von wegen. Es fehlt ein
Mundstück für eine Posaune: "Hat vielleicht jemand zufällig eines
einstecken?"... Scheinbar nicht, denn einige Minuten später beginnen die
sieben verbliebenen Musiker das Konzert ohne Posaune.
Aber eigentlich ist der Begriff "Konzert" falsch gewählt. Offiziell ist
es zwar eins, aber das was sich in den folgenden ca. 150 Minuten
abspielt, sollte eher als große Party beschrieben werden. Die
Spielfreude der Musiker überträgt sich sofort auf das Publikum. Das geht
ins Bein, das geht in die Füße; schon der erste Song "Everybody needs
somebody to love" macht dermaßen Laune, dass keiner mehr stillstehen
kann, und die Kälte ist schnell vergessen. Das Programm umfasst eigene
Lieder auf Deutsch und Englisch, ebenso wie Klassiker von "Blood, Sweat
& Tears", "James Brown" oder "Otis Redding". Auch um aktuelle Thematiken
macht man keinen Bogen, so werden zum Beispiel mit dem Titel "Trink mal
lieber 'n Schlückchen Wasser" die Flatrate-Sauf-Parties auf die Schippe
genommen.
Die Band ist in bester Laune, was natürlich auch auf das Publikum
übergeht. Laola-Wellen von vorne nach hinten und umgekehrt, oder auch
von rechts nach links oder von beiden Seiten macht das Publikum gerne
mit, haben doch die "männlichen Groupies" vorn an der Bühne schon lange
alle angesteckt!
Neben Modern Soul Band Urgestein und Bandgründer Gerhard "Hugo" Laartz
gehören u.a. mit Carsten Muttschall und Gisbert "Pitti" Piatkowski
weitere gestandene Ostrock-Musiker zur Modern Soul Band, die seit Jahren
in nahezu unveränderter Besetzung spielt. Vor allem Laartz und
Piatkowski konnten mit mehreren Soli ihr Können an den Tasten bzw. an
der Gitarre unter Beweis stellen, und das obwohl es bei den Temperaturen
mit Sicherheit nicht einfach ist, über die Saiten zu flitzen! Und dann
kam plötzlich Bandmitglied Nr. 8 auf die Bühne: der Posaunist! Irgendwo
hatte er in der Zwischenzeit ein Mundstück aufgetrieben, jetzt stand der
kompletten Besetzung für das letzte Drittel nichts mehr im Wege! Der
Beifall des Publikums war ihm jedenfalls sicher.
Nächstes Jahr feiert die Modern Soul Band ihr 40-jähriges (!!!)
Bestehen, und dafür wird "Berlin eingerissen", so haben sie es
jedenfalls angekündigt. Sollte man sich nicht entgehen lassen,
Gelegenheit wird es dazu wohl genug geben!
Und jetzt geht es nur noch nach Hause unter die warme Dusche und ins
Bett, immerhin ist es halb zwei in der Nacht und es ist dann doch
verdammt kalt geworden! Aber es war ein schöner Abschluss des
diesjährigen Zwiebelmarkt-Konzert-Marathons, der uns jetzt leichtfüßig
nach Hause tanzen lässt!
Text: Wolfram Schenck |