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Cutting Crew
17 Juni 2006, Volkshaus, Weimar

Am Nachmittag habe ich das Radio eingeschalten, um mal zu hören, was der Fußball macht. Dann kam ein Hinweis auf eine Party mit Cutting Crew, deren großer Hit "(I Just) Died In Your Arms" jetzt exakt 20 Jahre auf dem Buckel hat. Die Band wird dabei auch anwesend sein, das Ganze heute Abend in Weimar. Warum eigentlich nicht, habe ich mir gedacht, habe beim Sender angerufen und Karten gewonnen.

Aber was für eine Party die Anwesenden dort erwartete, konnte beim Radio beim besten Willen keiner ahnen! Und so entpuppte sich dieser Abend als eines der schönsten Konzerte, die ich je besucht habe! Aber mal von vorne:

21.00 Uhr sollte es losgehen, hatten die beim Radio gesagt, also war ich kurz vor neun dort. Die Besucheranzahl war sehr überschaubar, was sich auch nicht mehr groß ändern sollte. Allerdings lag der Beginn noch in weiter Ferne. Kurz vor neun war die Vorband noch mit Aufbauen beschäftigt, es folgte ein kurzer Soundcheck. Danach baute noch die Vorband der Vorband auf! Gut, die hatten bloß zwei Gitarren, das ging fix. Sehr kurzer Soundcheck, dann ging's los.

Der Sound war alles andere als optimal, und über die beiden Vorbands hülle ich jetzt mal besser den Mantel des Schweigens! Bis hierhin war der Abend ein ziemlicher Reinfall, aber es blieb ja noch Cutting Crew. Es kann ja nur besser werden.

Sehr amüsant anzuschauen war die jetzt folgende Umbauerei. Beim Durchchecken der Instrumente stellten sich die ersten Probleme mit der Technik ein! Eigentlich ist es verwunderlich, dass die Instrumente des Hauptacts nicht mal halbwegs einsatzbereit waren, Soundcheck hatte es offensichtlich auch noch nicht gegeben. Die Band blieb dabei erstaunlich locker und die Techniker taten ihr Bestes, um das Ganze zum Laufen zu bekommen. Dann stand die Band plötzlich mit Gitarren im Publikum, auf der Bühne wurde nach wie vor gewerkelt. Band zurück auf die Bühne, der Chef der Veranstaltung entschuldigte sich beim Publikum für die Probleme, ein Titel als Soundcheck ... ne, das brachte alles nix. Kurzerhand brach Nick van Eede das Ganze ab und marschierte von der Bühne, bis hinters Mischpult, wo sich die Zuschauer aufhielten, deutete allen, doch etwas näher zu kommen, wir würden jetzt Party machen! Also rückten alle mit ihren Stühlen und Gläsern näher heran.

Nick kündigte an, dass sie jetzt ne halbe Stunde spielen würden, weil er sich seine Stimme nicht ruinieren möchte, und dann würden wir alle zusammen Party machen! Und los ging's, vollkommen unplugged, ohne Mikrofon und Verstärker, nur mit zwei Gitarren begannen Cutting Crew ihr Set. Das war schon irgendwie sehr speziell! Die Techniker machten nun flinke Füße und nach und nach holten sie Mikrofone, Verstärker, Bass, Keyboard, Schlagzeug von der Bühne und bauten es zwischen den Musikern auf. Und die Technik funktionierte! Ab und an knackte und rauschte es gefährlich in der Anlage, dann kam die Anweisung "Don't touch anything!"

Einem Pärchen kamen die Verzögerungen gar nicht gelegen, die mussten halb eins schon abrücken, aber sie wollte gerne den großen Hit der Cutting Crew hören, also lief sie zu Nick und fragte danach. Und zwei Titel später spielten sie dann auch "(I Just Died) In Your Arms", allerdings bestand Nick van Eede darauf, dass die junge Frau mitsingt. Tat sie auch, so wurde der Titel als Akkustikversion etwas ganz Besonderes!

Knapp zwei Stunden spielte die Band eine Mischung aus bekannten Titeln anderer Bands und eigenen Titeln, sehr melodisch, sehr emotional. Die Stimmung in dieser sehr improvisierten Umgebung war gigantisch, die Band genoss es genauso wie das Publikum. Licht war ja auch Mangelware, und so kam in dem doch eigentlich recht großen Festsaal des Volkshauses eine gemütliche Club-Atmosphäre auf, wie sie wohl keiner erwartet hätte.

Als der Schlagzeuger mal fix einem menschlichen Bedürfnis nachgehen musste, sprang kurzerhand jemand aus dem Publikum ein, genial, wo gibt's sowas sonst schon!

Sehr professionell spielte die Band mit bescheidenen Mitteln einen Wahnsinns-Gig, der in dieser Situation sicherlich nicht zu erwarten war. Allen Anwesenden hat es unheimlich Spaß gemacht. Nick van Eede meinte nur, so etwas passiert nur einmal alle 20 Jahre!
Eigentlich nur schade, dass das Ganze keiner für die Nachwelt auf Video festhalten konnte, konnte ja keiner vorhersehen, dass sich dieser Abend noch so großartig entwickelt! Einen herzlichen Dank an die Band und die Techniker, die so professionell reagiert haben und diesen Abend zu einem ganz speziellen gemacht haben!