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Am Nachmittag habe ich das Radio eingeschalten, um mal zu hören, was der
Fußball macht. Dann kam ein Hinweis auf eine Party mit Cutting Crew,
deren großer Hit "(I Just) Died In Your Arms" jetzt exakt 20 Jahre auf
dem Buckel hat. Die Band wird dabei auch anwesend sein, das Ganze heute
Abend in Weimar. Warum eigentlich nicht, habe ich mir gedacht, habe beim
Sender angerufen und Karten gewonnen.
Aber was für eine Party die Anwesenden dort erwartete, konnte beim Radio
beim besten Willen keiner ahnen! Und so entpuppte sich dieser Abend als
eines der schönsten Konzerte, die ich je besucht habe! Aber mal von
vorne:
21.00 Uhr sollte es losgehen, hatten die beim Radio gesagt, also war ich
kurz vor neun dort. Die Besucheranzahl war sehr überschaubar, was sich
auch nicht mehr groß ändern sollte. Allerdings lag der Beginn noch in
weiter Ferne. Kurz vor neun war die Vorband noch mit Aufbauen
beschäftigt, es folgte ein kurzer Soundcheck. Danach baute noch die
Vorband der Vorband auf! Gut, die hatten bloß zwei Gitarren, das ging
fix. Sehr kurzer Soundcheck, dann ging's los.
Der Sound war alles andere als optimal, und über die beiden Vorbands
hülle ich jetzt mal besser den Mantel des Schweigens! Bis hierhin war
der Abend ein ziemlicher Reinfall, aber es blieb ja noch Cutting Crew.
Es kann ja nur besser werden.
Sehr amüsant anzuschauen war die jetzt folgende Umbauerei. Beim
Durchchecken der Instrumente stellten sich die ersten Probleme mit der
Technik ein! Eigentlich ist es verwunderlich, dass die Instrumente des
Hauptacts nicht mal halbwegs einsatzbereit waren, Soundcheck hatte es
offensichtlich auch noch nicht gegeben. Die Band blieb dabei erstaunlich
locker und die Techniker taten ihr Bestes, um das Ganze zum Laufen zu
bekommen. Dann stand die Band plötzlich mit Gitarren im Publikum, auf
der Bühne wurde nach wie vor gewerkelt. Band zurück auf die Bühne, der
Chef der Veranstaltung entschuldigte sich beim Publikum für die
Probleme, ein Titel als Soundcheck ... ne, das brachte alles nix.
Kurzerhand brach Nick van Eede das Ganze ab und marschierte von der
Bühne, bis hinters Mischpult, wo sich die Zuschauer aufhielten, deutete
allen, doch etwas näher zu kommen, wir würden jetzt Party machen! Also
rückten alle mit ihren Stühlen und Gläsern näher heran.
Nick kündigte an, dass sie jetzt ne halbe Stunde spielen würden, weil er
sich seine Stimme nicht ruinieren möchte, und dann würden wir alle
zusammen Party machen! Und los ging's, vollkommen unplugged, ohne
Mikrofon und Verstärker, nur mit zwei Gitarren begannen Cutting Crew ihr
Set. Das war schon irgendwie sehr speziell! Die Techniker machten nun
flinke Füße und nach und nach holten sie Mikrofone, Verstärker, Bass,
Keyboard, Schlagzeug von der Bühne und bauten es zwischen den Musikern
auf. Und die Technik funktionierte! Ab und an knackte und rauschte es
gefährlich in der Anlage, dann kam die Anweisung "Don't touch anything!"
Einem Pärchen kamen die Verzögerungen gar nicht gelegen, die mussten
halb eins schon abrücken, aber sie wollte gerne den großen Hit der
Cutting Crew hören, also lief sie zu Nick und fragte danach. Und zwei
Titel später spielten sie dann auch "(I Just Died) In Your Arms", allerdings
bestand Nick van Eede darauf, dass die junge Frau mitsingt. Tat sie
auch, so wurde der Titel als Akkustikversion etwas ganz Besonderes!
Knapp zwei Stunden spielte die Band eine Mischung aus bekannten Titeln
anderer Bands und eigenen Titeln, sehr melodisch, sehr emotional. Die
Stimmung in dieser sehr improvisierten Umgebung war gigantisch, die Band
genoss es genauso wie das Publikum. Licht war ja auch Mangelware, und so
kam in dem doch eigentlich recht großen Festsaal des Volkshauses eine
gemütliche Club-Atmosphäre auf, wie sie wohl keiner erwartet hätte.
Als der Schlagzeuger mal fix einem menschlichen Bedürfnis nachgehen
musste, sprang kurzerhand jemand aus dem Publikum ein, genial, wo gibt's
sowas sonst schon!
Sehr professionell spielte die Band mit bescheidenen Mitteln einen
Wahnsinns-Gig, der in dieser Situation sicherlich nicht zu erwarten war.
Allen Anwesenden hat es unheimlich Spaß gemacht. Nick van Eede meinte
nur, so etwas passiert nur einmal alle 20 Jahre!
Eigentlich nur schade, dass das Ganze keiner für die Nachwelt auf Video
festhalten konnte, konnte ja keiner vorhersehen, dass sich dieser Abend
noch so großartig entwickelt! Einen herzlichen Dank an die Band und die
Techniker, die so professionell reagiert haben und diesen Abend zu einem
ganz speziellen gemacht haben! |