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10. Mai
1999, das magische Datum, wenn man in diesen Schuljahr das Abitur
bestehen möchte; MATHEPRÜFUNG!!
Aber der 10. Mai bedeutet noch etwas anderes, wenn man ein Live-Konzert
der deutschen Gruppe „SCORPIONS“ nicht missen möchte: Konzert in
Chemnitz!!
Also bleibt nichts anderes übrig, als beides zu tun. Vormittags
Matheprüfung, danach mit dem Zug ab nach Chemnitz und abends dann
endlich die SCORPIONS.
Allerdings war da noch das leidige Problem „Wer kommt mit?“ Und wenn
sich keiner findet, fährt man da allein, oder ist das zu riskant? Und
wenn man allein fährt, wo kann man übernachten? Allein mit dem Zug
zurück, und das noch nachts, ist einfach viel zu gefährlich heutzutage.
Als alle Stricke gerissen sind und sich keiner gefunden hat, der
mitkommt (die haben echt was verpaßt!), habe ich mir kurzerhand ein
Zimmer gemietet, sogar in der Nähe der Eissporthalle!
13.00 Uhr war dann endlich Mathe geschafft, jetzt aber nichts wie zum
Bahnhof, der nächste Zug fährt bereits in einer Stunde. Vorher noch
einen Abstecher zum Bäcker und in den Schreibwarenladen, damit man im
Fall der Fälle nicht wieder ohne Stift dasteht.
14.05 Uhr: Endlich im Zug und auf dem Weg nach Chemnitz. Puh, gerade so
geschafft. Kaum habe ich einen Sitzplatz gefunden, fährt der Zug auch
schon los.
16.30 Uhr: Ich bin im Quartier angekommen. Noch drei Stunden Zeit, sich
seelisch und mental auf das Bevorstehende vorzubereiten.
18.45 Uhr: Auf geht’s zur Eissporthalle. Nur noch schnell nach dem Weg
fragen und kurz darauf findet man sich inmitten Gleichgesinnter wieder.
Nanu, wann war denn Einlaß? Es ist erst kurz nach sieben, Das Konzert
soll halb neun losgehen, aber hier ist ja schon alles voll! Zum Glück
steht erst eine kleinere Menge direkt vor der Bühne, so daß ich immer
noch nah genug an meine Idole herankomme. Noch schnell am
Fanartikelstand vorbei. Ein Cap und das Tourbuch müssen sein, und es
gibt auch zum Glück hinterher noch Tourplakate.
Mein Platz vor der Bühne ist mir sicher, mein Fotoapparat hat die
Eingangskontrolle überstanden und ruht sicher in meinem Rucksack.
Außerdem enthält der Rucksack eine große Menge Wunderkerzen, (kurz
darauf auch ein Feuerzeug), genug flüssige Nahrung und ein Schild.
Besagtes Schild war bereits vor zwei Jahren mit auf dem Konzert und hat
dieses unvergeßlich gemacht.
Jetzt beginnt der Kampf um die vorderen Plätze, weil da jemand meint,
daß er noch vorn einen Platz bekommt, wenn er erst kurz vor Beginn
kommt.
Platz gesichert, keinen reingelassen, etwa fünfte Reihe, gute Sicht auf
die Bühne.
20.15 Uhr: Es geht los, die Vorband CUT betritt die Bühne, eher als im
Programm angegeben. Etwa eine Stunde versuchen die fünf, das Publikum
bei Laune zu halten. Gelingt auch ganz gut, Die Masse mag die Musik.
Erstaunlich war, daß sie kaum etwas für ihre eigene Promotion getan
haben. Außer einer kleinen Einlage in Deutsch (es waren
englischsprachige Musiker) mit dem Hinweis, daß man die Platte am
Fanartikelstand erwerben kann, war nichts.
Nach einer kleinen Umbaupause betraten endlich die SCORPS das Areal.
Angefangen haben sie mit einer Samurai-ähnlichen Darstellung von Ralph
(die Vermutung wurde kurz darauf bestätigt), in Bühnennebel gehüllt. Das
ganze wurde mit Videoprojektionen an eine Leinwand in Hintergrund
projiziert. Diese technische Möglichkeit wurde während der ganzen Show
unterstützend eingesetzt.
Diese Darbietung endete mit den Satz „Welcome at the Scorpions‘
Homepage!“, die gleich darauf auch auf der Videoleinwand sichtbar wurde.
Jetzt waren sie endlich alle da: Rudolf, Ralph, Matthias, James und
Klaus starteten mit dem Opener „Loving You Sunday Morning“, gefolgt von
„Is There Anybody There“, einem Titel, der noch vom letzten Konzert vor
zwei Jahren in guter Erinnerung geblieben ist. Jetzt begrüßt Klaus sein
Chemnitzer Publikum. Er will heute Abend eine ordentliche Mischung aus
alten und neuen Liedern spielen, und prompt spielen sie „Mysterious“,
unterstützt von zwei jungen Tänzerinnen links neben James. Nach „Mind
Like A Tree“, ebenfalls vom neuen Album, ist die Stimmung am kochen. Sie
spielen eine ganze Reihe alter Lieder wie „Always Somewhere“ und „Coast
To Coast“, gemischt mit neuen Titeln wie „10 Lightyears Away“ und „Du
bist so schmutzig“. Dann endlich kommt „Holiday“. Klaus singt den ersten
Teil und holt sich dabei Unterstützung vom Publikum, das natürlich den
ganzen Titel auswendig mitsingt. Nach dem ersten Teil teilt Klaus das
Publikum in zwei Teile und bringt das Zwischenspiel mit verteilten
Rollen: Ein Teil fängt an „Ahahaa “, dann setzt der andere Teil ein „Ahahaaaaaaaa“,
solange, wie die Luft reicht. Klaus ist zufrieden und spielt den zweiten
Teil von Holiday. Es folgen „In Trance“ und „The Zoo“. Jetzt ist James
an der Reihe, er gibt ein Drum-Solo, die Menge ist begeistert. Etwa
fünfzehn Minuten arbeitet James an seiner Schießbude, bevor Klaus ihm
ablöst und „You And I“ anstimmt. Die SCORPIONS spielen noch „To Be #1“
und dann ist es schon Zeit, Abschied zu nehmen. Aber nach fünf Minuten
sind sie wieder da und spielen „Still Loving You“ und „Rock You Like A
Hurricane“, und wieder sind sie weg. Aber das Publikum will sie noch
nicht gehen lassen und fordert weitere Zugaben. Na also, da sind sie ja
wieder! Jetzt ist „Wind Of Change“ an der Reihe, untermalt mit
Videobildern, die erst direkt aus dem Publikum kommen, dann aber in
Bilder von früheren Konzerten und geschichtsträchtige Bilder übergehen.
Den krönenden Abschluß bildet „A Moment In A Million Years“, das die
Beziehung zwischen Band und Fans beschreibt. Nur mit zwei
Akkustikgitarren und Gesang stellt das Lied den absoluten Höhepunkt dar.
Nun ist aber wirklich Schluß, die SCORPIONS haben es ja eben besungen,
und die Menge beginnt, sich langsam aufzulösen. Geschafft, aber
glücklich sehen alle aus.
Am Ausgang werden noch Konzertfotogutscheine und Buchgutscheine verteilt
und HitRadio Antenne Sachsen bringt noch ein SCORPIONS-Special.
Mein Schild hatte bei diesem Konzert natürlich auch eine Funktion. Nach
mehrfachem Hochhalten haben die SCORPS, zumindest drei von ihnen, mein
Schild gelesen. Die Reaktionen waren genial. Auf dem Schild stand: „Die
wichtigste Botschaft des Rock’n’Roll heißt ‚Hab‘ Spaß‘ ... Klaus Meine
Und deshalb sind wir heute hier! 10. 5. 1999 Chemnitz.
Nach der Show wollte ich unbedingt noch Autogramme haben, ich habe aber
niemanden gefunden, der einen Backstage-Pass hatte. Aber vor der Halle
waren noch mehr, die das gleiche Anliegen hatten. Also hieß es warten,
warten, warten.
Irgendeiner von der Roadcrew sagte, sie würden hinten rauskommen, aber
hinten erhielten wir die Information, daß sie entweder schon weg sind,
oder aber vorn rauskommen. Als wir wieder vorn waren, vermeldeten die
anderen, daß Matthias schon im Bus sei. Mist, verpaßt! Aber kurz darauf
kam Klaus, der bereitwillig Autogramme gegeben hat und sich mit uns
fotografieren ließ. Dann kamen auch Rudolf, James und Ralph. Autogramme,
Fotos. Irgendeiner hat mein Schild mit in den Bus genommen und Matthias
hat unterschrieben. Mein Schild haben sie auch alle aus der Nähe
gelesen. Klaus‘ Kommentar: Das kann man nur signieren und unterschreibt
erneut.
Irgendwann heulte dann der Motor auf und weg waren sie. Schade!!
Jetzt wurden noch Adressen getauscht, falls bei jemandem die Bilder
nicht geworden sind.
Zu sechst geht’s los im kleinen Fiat Punto. Ich hatte es ja nicht weit,
aber durch den Wald wollte ich nicht allein. Also haben sie mich noch
ein Stück mitgenommen.
Wieder in meinem Quartier angekommen, kann ich noch den letzten Titel
des SCORPIONS-Special hören. Aber die Erlebnisse der letzten Stunden
entschädigen, ich hatte mein eigenes, ganz privates SCORPIONS-Special.
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