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Holger Biege
in Zusammenarbeit mit den Yesterhits am 16. Mai 2009

Heute ist im DasDie Brettl in Erfurt Holger Biege zu Gast und ich hatte die
Möglichkeit vorher ein Interview mit ihm zu führen.

Holger, du hast mit neun Jahren Klavierunterricht bekommen. Dein Bruder Gerd Christian ist auch ein sehr erfolgreicher Interpret in der DDR gewesen. Ist die ganze Familie so musikalisch?

Meine Eltern sind musisch veranlagt, aber beruflich sind sie nicht vorbelastet, meine Mutter war Lehrerin, mein Vater Diplom-Biologe. Diese musischen Begehrlichkeiten kamen aber recht früh bei mir, das Klavier habe ich mit etwa fünf Jahren entdeckt und ab acht Jahren dann Klavierunterricht bekommen.
 
Du hast für deinen Bruder den Riesenhit „Sag ihr auch“ geschrieben. Hast du auch noch für andere Künstler geschrieben?
Also erst einmal habe ich für ihn nicht nur einen Song, sondern insgesamt sieben geschrieben. Fast alle erreichten Hit-Status. Außerdem schrieb ich für Marion Scharf zwei Songs die gleichfalls größte Publikumsresonanz erreichten.

1975/76 hast du bei der Schubert-Formation gesungen. War das ein Sprungbrett, wo du gewusst hast, dass du da nicht bleiben wirst oder was war dein Ziel in dem Moment?

Das war ein Sprungbrett und zugleich eine wichtige Station. Nach meinem Start 1974 in einer Berliner Band habe ich in der Hallenser „Schubert Formation“ viel gelernt und mich schließlich 1976 für eine Solisten-Laufbahn entschieden – vor allem wegen meiner kompositorischen Arbeit.

Ich komme noch mal zurück auf die anderen Künstler. Ich hab im Fernsehen gesehen, dass die Yvonne Catterfeld einen deiner Hits gesungen hat. Weißt du nicht davon, weil du es vorhin nicht erwähnt hast?
Ja, sie hat „Reichtum der Welt“ sehr schön, sehr modern und sehr einfühlsam gesungen, aber es gibt auch noch andere Interpreten, zum Beispiel Klaus Lage auf seinem neuen Album.


Hast du noch Kontakt mit Yvonne Catterfeld?

Seit den letzten drei Jahren nicht mehr.

1983 bist du nach einem Gastspiel in der Bundesrepublik geblieben. Hast du den Schritt für dich mal bereut?
Es war eine harte Zeit. Ich hatte zwar schnell einen Plattenvertrag mit Polydor, habe ein Album produziert und diverse Singles, aber das war’s dann. Ansonsten bestand meine Tätigkeit als Sachverständiger und Arrangeur für Musikverlage.

Sind wir mal ganz ehrlich, in der DDR warst du populärer.
Populär sein kann man natürlich nur dann, wenn das, was man tut, auch veröffentlicht wird. Ich hatte zwar allerbeste Resonanzen im Westen, aber es wurde kaum etwas gespielt, weder im Rundfunk noch im Fernsehen. Da konnte also gar nichts passieren.

1989 ist dann die Mauer gefallen. Wie hast du das erlebt? Wo warst du da?
Ich war damals zu Hause, zu der Zeit übrigens in Norderstedt bei Hamburg, und war wie alle elektrifiziert von diesen Ereignissen und denke gern daran zurück. Damit verbanden sich auch meine ersten Konzerte wieder im angemessenen Rahmen nach langer Pause. Es war eine fantastische Zeit.

1990 bist du zurück nach Berlin gezogen  und hast auch im Osten eine Tournee gespielt. War das einfach oder hast du auch diesen „Wendeknick“ gespürt? Die Leute aus dem Osten wollten ja die DDR-Musik erst mal gar nicht mehr hören, sondern wollten alle was anderes haben.
Was heißt denn eigentlich DDR-Musik? Ich habe ja auch im Westen interessante Musik gemacht, das war neue Musik fürs Publikum. Das alte ist zwar in der DDR entstanden, aber das lebt auch heute noch, ist also nicht gebunden an diese Zeit. Die Konzerte damals waren euphorisch, das Publikum war begeistert und ich denke gerne daran zurück und sie waren auch sehr gut besucht. Das lag vielleicht auch daran, dass ich lange Zeit in der DDR verboten war, meine Musik durfte damals ja nicht gespielt werden.

Mir fällt dazu ein, dass auch dein Bruder dann nicht mehr im Radio gespielt wurde.
Gerd Christian wurde gespielt, allerdings war bei den Ankündigungen in der Rundfunkzeitschrift mein Name als Komponist gelöscht, mein Name war nicht existent, aber das war bei Manfred Krug und anderen ja ähnlich.


Haben sich die ehemaligen DDR-Künstler denn im Westen mal getroffen?

Natürlich traf man sich hier und da.

Seit 2007 gibt es ja Ostrock in Klassik, das sind viele Stars, die zusammen auf der Bühne stehen und zusammen ein Konzert geben, Ute Freudenberg, die Puhdys...
Dieses Jahr bin ich dabei und ich freue mich sehr darauf. Das sind neun große Konzerte, bis auf München alle im Osten, unter anderem auch am 19. September hier in Erfurt, an meinem Geburtstag übrigens.


Wird der dann gefeiert auf der Bühne?

Nein, ich feiere meinen Geburtstag immer ganz bescheiden, werde mit meiner Frau anstoßen und das war's.


Wie sehen die Zukunftspläne aus. Wird es neues Material geben? Du bist jetzt auf einer Best-of-Tour, da gibt’s dann eher kein neues Material.

Ich bin seit 14 oder 15 Jahren nicht mehr in Erfurt gewesen, und so gesehen gibt es schon Neues zu hören.

Du bist aber auf jeden Fall dem treu geblieben was du da gemacht hast, also ruhige, melancholische Songs. Kann sich die nächste Platte von dir hier anschließen?

Natürlich. Das Ganze ist ein Fluss.


Auf der Platte „Wenn der Abend kommt“ hattest du einige Klavierstücke „Einspiel“, „Zwischenspiel“ und „Nach(t)spiel“. Was hatten die zu bedeuten? Sollten die das ganze etwas auflockern oder wolltest du damit zeigen, dass du auch was kannst, was nicht jeder versteht?
Das war der Versuch etwas aus dem Rahmen zurücken, wobei das ja eigentlich nur für das „Zwischenspiel“ gilt. Improvisation am Klavier war mir schon immer wichtig, auch wenn das erst viel später, in den 90er Jahren, auf CD zu hören ist.

Ich hab gelesen du warst mal Friedhofsgärtner.
Ja, aber nur etwa ein Vierteljahr als Job um zu überleben. Nach einem einjährigen Studium an der Berliner Musikhochschule „Hanns Eisler“ bei Prof. Stöckicht musste ich wegen einer glatten 5 in Russisch gehen.


Warum sind die Albencover der beiden Amiga-Alben so schwarz und farblos?

Das war damals so angesagt. Schwarz-weiß Fotos können ja sehr interessant sein, und der Gestalter hatte die Idee, die fand ich auch gar nicht schlecht.

Aber es soll doch vermutlich irgendwas zeigen, vielleicht wenn der Abend kommt.
Hier hinten ist übrigens die Mauer.
 
Das ist doch verrückt, das weiß doch gar keiner. Auf der ersten Biege-Platte ist die Mauer drauf. Die Straße geht nicht weiter und hier oben ist alles dunkel, da kommt schon der Abend.
Also das sollte man jetzt nicht überinterpretieren. Das ist einfach ein Bild für eine LP und ich denke die Stimmung der Zeit kommt schon ein bisschen rüber. Auf dem Poster hier sind übrigens Urho Kekkonen, der ehemalige finnische Ministerpräsident, und Erich Honecker zu sehen.
 

Und dann alles Kopfsteinpflaster, Straßenbahnschienen, Trabbi, Schiguli, schön.
Holger, wir wünschen ein richtig gutes Konzert!

Ich möchte aber noch erwähnen, dass ich heute nicht alleine gastiere. Ich habe eine junge Musikerin dabei, es handelt sich um Agnès Milewski. Sie ist Österreicherin und spielt auch Klavier und wird genau wie ich ihre Sachen solo am Piano vortragen und ich denke das werden für das Publikum interessante 20 Minuten.


www.holger-biege.de
Interview und Vorbereitung: Nadja Notzke, Dirk Sipp
Bearbeitung: Nadja Notzke, Wolfram Schenck