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Zu DDR-Zeiten war er mit der
Gruppe WIR erfolgreich, dann hat er sich auf Solo-Pfade begeben und mit
"Verdammt" einen Hit abgeliefert. Und was macht er heute? Dazu habe ich
mich kürzlich mit ihm unterhalten:
Hallo Wolfgang, kürzlich ist dein aktuelles Album "alles & jetzt"
erschienen. Dafür hast du mit deinem Sohn Martin de Vries
zusammengearbeitet, der ein bekannter Pop-Produzent ist. Wie kam es zu
dieser Zusammenarbeit?
Das war folgendermaßen: Martin ist ja der Sohn aus meiner ersten Ehe, und
als meine Frau und ich uns 1978 getrennt haben, ist er mit meiner Frau
nach Holland gegangen. Wir haben uns dann aus den Augen verloren, aber ich
habe mitbekommen, dass er eine eigene Musikkarriere gemacht hat, und wir
haben uns nach der Maueröffnung schon mal getroffen und versucht, uns
anzunähern, was ja nicht so leicht ist, wenn man so lange keinen Kontakt
hatte. Damals hatten wir uns nicht so richtig gut verstanden, aus welchen
Gründen auch immer und deshalb hat es damals nicht funktioniert, aber es
war eigentlich immer ein Wunsch von mir, doch mal was zusammen mit ihm zu
machen. 2006 haben wir es dann noch mal ernsthaft probiert und haben über
die Musik zusammen gefunden. Ich hatte schon länger die Idee, einen
Nachfolgetitel für "Verdammt" zu schreiben, weil ich von vielen Leuten
immer wieder hörte, dass ich noch mal einen Titel wie "Verdammt" schreiben
sollte und Martin sagte, dass er es versucht. So hat das angefangen und
Martin hat den Titel "Verrückt" geschrieben, der "Verdammt" sehr ähnlich
ist, aber das sollte ja auch so sein. Über diese Brücke Musik haben wir
dann auch menschlich wieder zueinander gefunden und haben ein
freundschaftliches Verhältnis zueinander aufgebaut.
Der erste Titel "Verrückt" ist ja bereits auf deinem letzten Album
erschienen, was hat dich dazu bewogen, den Titel als "Long Version" (zu
Deutsch: Maxi Version) erneut auf CD zu bannen?
Auf der neuen CD sind Titel enthalten, die durch die Zusammenarbeit mit
Martin entstanden sind, und da gehört "Verrückt" dann natürlich auch dazu.
Mit "Gartenparty" hat es auch ein Hit von WIR in neuem Gewand auf die
CD geschafft. Weshalb das und warum hast du gerade diesen Titel gewählt?
"Gartenparty" ist ein Titel, der in den Köpfen der Menschen geblieben ist
und immer wenn ich auf Bühnen gesungen habe, kamen die Fragen nach
"Gartenparty". Das ist einfach ein Kulttitel geworden, der damals in den
Siebzigern ganz nebenbei entstanden, aber unheimlich gut gelaufen ist.
Wenn ich dann "Gartenparty" gesungen habe, waren die Leute ein klein wenig
enttäuscht, weil das Playback irgendwie doch nicht mehr so klang wie
früher. Martin hatte irgendwann die Idee, wie man "Gartenparty" in einen
neuen Sound packen kann, ohne dass man das Gefühl hat, er sei nicht mehr
derselbe. Man sollte das Gefühl haben, das ist das Original. Das hat
funktioniert. Die Version kann ich draußen hervorragend singen und ich
finde sie so Klasse, dass wir den Titel einfach mit auf's Album genommen
haben.
Springen wir mal zurück in die 60er. Ab 1964 warst du Leiter des
Baltic-Quintetts aus Rostock, hast dort gesungen, Orgel und Piano
gespielt. Wie hast du dir diese musikalischen Kenntnisse angeeignet?
Ich hab von klein auf Klavier gelernt bzw. lernen müssen. Ich stamme ja
aus einer musikalischen Familie, meine Mutter war Pianistin und Organistin
und so hab ich schon mit fünf Jahren Klavier lernen müssen, was mir als
Kind natürlich überhaupt nicht geschmeckt hat. Aber später hat mir das
viel geholfen. In der Oberschule haben dann ein paar Leute angefangen,
zusammen Musik zu machen und da konnte ich ja schon Klavier spielen.
Die Baltics waren eine Beat-Band. Bei Beat denkt man aber eher an
Leipzig oder Berlin, wie war die Situation damals in Rostock und im Norden
allgemein für den Beat?
Nicht schlecht. Wenn man sich natürlich politisch mit dem System
auseinander gesetzt hat, hat man in der Zeit immer Probleme gehabt. Das
haben wir aber gar nicht gewollt. Wir haben Musik gemacht, die uns Spaß
machte. Zuerst vor allem nur Lieder nachgespielt, Beatles, Stones und so
weiter, aber das war auch in Ordnung und wir hatten keine Probleme. Wir
haben dann die ersten Versuche mit eigenen Titeln gemacht, was aber zu der
damaligen Zeit sehr schwierig war, weil es die Leute eigentlich kaum hören
wollten.
Du hast 1974 in einem Interview gesagt, dass du 1965 die Filmmusik zum
DEFA-Kinderfilm "Die Reise nach Sundevit" geschrieben hast. Tatsächlich
wird aber Karl-Ernst Sasse als Komponist für diesen Film genannt.
Inwieweit hast du daran mitgewirkt?
Es stimmt, wenn ich im Internet bei Google nachschaue, dann bin ich bzw.
sind die Baltics dort nicht erwähnt, aber das ist meiner Meinung nicht
richtig, denn wenn man sich den Film anschaut, wird man sehen, dass die
Baltics im Film als Musiker zu sehen sind. Und es sind einige Stücke der
Baltics im Film verwendet worden, die wir extra dafür geschrieben haben.
Bereits 1971 ist mit "Schön war der Sommer" eine Solo-Single von dir
erschienen. Wie kam es dazu und warum hast du danach nicht solistisch
weiter gearbeitet?
Das war ein Versuch, ein Weg. Ich habe 1970 angefangen, in Berlin Gesang
und Komposition zu studieren und parallel eine Fachhochschule besucht, wo
ich die so genannte Unterhaltungskunst lernte, Bewegungsunterricht,
Gesangsunterricht, Spracherziehung und so weiter. Das war eine gute
Grundlage. Ich war ja schon Musiker und konnte Klavier und Gitarre
spielen, da hab ich einfach mal versucht, einen Titel zu veröffentlichen
und eine Karriere zu starten, aber das war nicht ganz ernst gemeint, denn
in mir schlummerte schon immer die Idee einer eigenen Band, eines neuen
Projektes.
War das Studium die Ursache für einen Ausstieg bei den doch
erfolgreichen Baltics, oder gab es dafür einen anderen Grund?
Das war natürlich ein Grund, ich habe nach Berlin gehen müssen, weil in
Rostock die Möglichkeiten zur Weiterentwicklung nicht so gegeben waren.
Wir waren Amateure und in Rostock die besten, aber wenn man Profi werden
wollte, musste man nach Berlin gehen. Berlin war damals das Zentrum und
ist es heute ja auch noch mehr oder weniger. In Berlin hab ich dann 1972
den Lyriker Jens Gerlach kennen gelernt, einen sehr interessanten Mann und
da entstand die Idee, eine Gruppe mit neuen Inhalten und ganz neuen
eigenen Titeln zu gründen. Das war zu der Zeit etwas völlig Neues. Es war
sozusagen die Zeit der Entstehung des Ostrocks!
Jens hat als Lyriker die ganzen Texte geliefert und ich als Musiker die
Kompositionen, mein Gott, das war ein Riesending! Die Musiker haben wir
von der alten "Uve Schikora-Band" übernommen. Ich habe ja vorher schon in
der Band gesungen, und wir haben die Musiker gefragt, ob sie dabei sind
und so haben wir die "Gruppe Wir" gegründet.
Später kamen mit Katrin Lindner und Doris Martin zwei Sängerinnen in
die Band, die sie aber 1976 (Katrin Lindner) und 1978 (Doris Martin)
wieder verließen. Wie hat sich das auf die musikalische Konzeption
ausgewirkt?
Man sucht immer nach Möglichkeiten, eine Band auszubauen und zu entwickeln
und mir hat es immer Spaß gemacht mit Sängerinnen zusammen zu singen. Da
gab es mehr Möglichkeiten, auch optische Möglichkeiten, das fand ich
damals sehr spannend. Deshalb sind diese Sängerinnen in die Band gekommen.
Später war dann neben Doris Martin auch kurz mal Tamara Danz dabei.
Irgendwann hatten wir aber das Gefühl, dass es doch besser ist ohne
Sängerinnen, weil sich unsere musikalische Richtung auch geändert hatte.
Die Musik von WIR war anfangs auf den Inhalt ausgerichtet, so sind
unter anderem die Titel "GI-Blues", "Black Power" oder "Requiem für Julián
Grimau" entstanden. Ab 1975 änderte sich das in Richtung Tanzmusik,
stellvertretend seien hier die Titel "Gartenparty" und "Superschlank"
genannt. Weshalb kam es zu dieser inhaltlichen Veränderung?
"Superschlank" kam sehr viel später. "Gartenparty" war aus einer Art Laune
entstanden. Die Idee war, einen originellen, witzigen Titel zu machen. Die
Änderung zum Popsong wie "Superschlank" kam meiner Meinung nach erst in
den 80ern, aber ich hatte immer schon in mir den Wunsch, mehr popmäßige
Musik zu machen. Die großen Rockballaden waren spannend und schön, aber
später wollte ich dann mehr die populären Uptempo-Lieder machen.
1977 ist die erste Amiga-LP von WIR erschienen, im Jahr darauf bereits
die zweite. Im gleichen Jahr, 1978, ist jeweils eine Platte bei Supraphon
in der CSSR und bei Metronome in der BRD erschienen. Wie kam es dazu?
1977 war ein wichtiges Jahr für uns. Wir haben damals auch angefangen,
große Tourneen zu machen, auch in die damalige Sowjetunion. Als wir wieder
kamen, hatten wir dann ein großes Gastspiel im ZDF in Westberlin, wir
durften rüber fahren, weil wir ja bewiesen hatten, dass wir ein gutes
Kollektiv waren. Das war ein großes Konzert, Rock Live mit Udo Lindenberg
und einigen anderen Größen. Das war der Punkt, an dem Metronome, eine
große westdeutsche Plattenfirma, sich für uns interessiert hat und meinte:
"Mit euch machen wir ein Album in Westdeutschland." Das war der Grund
dafür und das war natürlich wunderbar.
Die CSSR war auch ein interessanter Markt, den die Oberen wollten, und so
war die Platte bei Supraphon eine logische Schlussfolgerung. Die drei LPs
sind aus einem einzigen Master entstanden, obgleich sie letztendlich nicht
identischen Inhalts waren. Aber das war den jeweiligen Labels vorbehalten.
1984 ist mit "Wenn die Flut kommt" erneut ein Album in der BRD
erschienen, diesmal bei Polydor. Auf dem Album sind, wie auch schon auf
dem 1978er Album bei Supraphon, Titel enthalten, die in der DDR auf keinem
Album enthalten waren. Wollte Amiga diese Titel nicht oder was war der
Grund dafür?
Das war dann wahrscheinlich so. Amiga hat gesagt: "Wir wollen das Album
anders." Das hatte aber keine politischen Gründe. Die Songs waren ja nicht
vordergründig politisch, sie hatten zwar eine Aussage, eine tief
menschliche Aussage von der Angst und der Kraft des Menschen. Das war aber
nicht der Grund. Polydor wollte eben eine andere Kopplung haben und wollte
andere Lieder auf der Platte, das tat uns sehr gut. Auf diese Weise
konnten wir noch etwas veröffentlichen, was wir sonst nicht hätten
veröffentlichen können.
Dieses Album ist zwar in der DDR aufgenommen, aber in Westberlin
gemischt worden. Liegen dem Album die gleichen Aufnahmen zu Grunde wie dem
Album "Ebbe und Flut"?
Ja, wir haben seiner Zeit wirklich alle Songs in Ostberlin aufgenommen und
hatten das Privileg, dass in Westberlin gemischt werden konnte, weil dort
wesentlich bessere technische Mittel vorhanden waren. Das hört man auch
ganz eindeutig, wenn man z.B. "Superschlank" vergleicht. Davon gibt es
zwei Fassungen: Eine, die wir in Ostberlin gemacht haben und eine, die
dann später auf dieser Platte "Ebbe und Flut" erschienen ist. Das war eine
spannende Zeit, weil wir eben die Möglichkeit hatten, dort mixen zu
lassen. Dabei habe ich sehr interessante Leute kennen gelernt, die mir
auch später bei neuen Projekten sehr geholfen haben.
Was war der Grund, dass die Titel neu gemischt wurden, waren die
Amiga-Versionen nicht gut genug?
Die Amiga-Versionen waren gut, aber dort gab es eben bessere technische
Möglichkeiten, so dass wir bzw. die westdeutsche Plattenfirma die Titel
noch einmal neu gemischt haben.
Auf dem Album ist der Titel "Es gibt für mich kein fremdes Leid"
enthalten. Dieser Titel war ja als Duett mit Ute Freudenberg geplant, ist
aber nach deren Ausreise aus der DDR erstmal bei Amiga im Giftschrank
verschwunden. Stattdessen ist bei Polydor ein Duett mit der Schweizer
Sängerin Rose Brown veröffentlicht worden. Wie kam es dazu und wie und wo
sind die Aufnahmen entstanden, du warst ja 1984 kein Reisekader?
Das war tatsächlich so. Wir haben den Song in den Studios des Rundfunks
der DDR aufgenommen. Es war ein wunderbares Lied. Aufgenommen haben wir es
mit Ute, aber nach ihrem Weggang wurde es sofort auf Eis gelegt, da gab es
kein Pardon.
"Polydor" wollte aber den Song auf dem Album haben, daher mussten wir eine
andere Sängerin finden. Das war dann eine Kollegin aus der Schweiz. Die
Vocals mit ihr haben wir in meinem Studio in Ostberlin aufgenommen. Wir
wollten das Lied unbedingt machen und konnten ohne Probleme keine andere
Sängerin finden. Es wurde dann drüben gemischt, ich durfte damals
tatsächlich nicht rüber fahren. Das Ergebnis des Songs war aber leider
nicht so gut wie mit Ute und deshalb haben wir das Lied dann später noch
einmal neu aufgenommen, 1999!
1986 hast du dann deine Solokarriere begonnen, die Plattenaufnahmen zu
deinem ersten Soloalbum fanden in Hamburg statt. Weshalb war das auf
einmal möglich, mit der Gruppe WIR durftest du ja zuletzt nicht mehr in
den Westen?
Es konnte einfach nicht so bleiben, dass westdeutsche Plattenfirmen gerne
mit mir als Künstler was machen wollten und ich dadurch, dass ich eben
nicht rüber fahren durfte, keine Möglichkeit dazu hatte. Da habe ich mich
dann an verschiedene Stellen gewandt, Ministerium für Kultur und an höhere
Stellen, die Mitarbeiter für Kultur im ZK. Ich bin dann dort hingegangen
und habe gefragt: "Wie seht ihr das mit meiner Karriere, wollt ihr mir ein
helfen oder nicht?" Auf jeden Fall waren das gute Gespräche und am Ende
hieß es, warum eigentlich nicht, ich hätte immer gut gearbeitet und man
gab mir die Möglichkeit, dass ich doch reisen konnte.
Dann habe ich tatsächlich die ersten Titel in Hamburg aufgenommen. Das war
auch eine sehr spannende Phase in meiner Karriere.
Als Solokünstler hast du dann ins Schlagerfach gewechselt, vorher hast
du aber Beat- und Rockmusik gemacht. Wie kam es zu diesem
Richtungswechsel?
Das ist mehr oder weniger fließend. Ich bin in erster Linie Musiker und
Sänger, der Musik macht, in welcher "Schublade" ist mir egal, sie muß
einfach zu mir passen.
Bei uns tut man sich leicht ein bisschen schwer, wenn man nicht die
passende "Schublade" für den Künstler findet. Ist es nun Schlager,
Deutschrock oder Deutschpop usw. Es gibt aber auch genug Zwischentöne.
Damit müssen sich auch andere Kollegen herumschlagen, z.B. Udo Jürgens,
Roland Kaiser oder Howard Carpendale, die ja auch keinen ausgesprochenen
Schlager machen. So habe ich auch meinen eigenen Weg gesucht und gefunden,
und verarbeite immer auch Elemente der Rockmusik und Popmusik.
So gesehen ist das ein fließender Übergang und mit dieser Musik fühle ich
mich wohl.
Den Text für deinen wahrscheinlich bekanntesten Titel "Verdammt" hat
ein RIAS-Moderator geschrieben und der Titel wurde in Westberlin
aufgenommen und produziert, was natürlich keiner wissen durfte. Als es
dann doch heraus kam, was wären die Konsequenzen dafür gewesen, wenn der
Titel nicht so populär gewesen wäre?
Das war wirklich eine heiße Nummer! Ich hab mir anfangs überhaupt keinen
Kopf gemacht, dass das eine politische Brisanz hatte, doch RIAS Berlin war
damals das rote Tuch schlechthin für die DDR und Ostberlin. Es war eben
ein amerikanischer Sender! Meine Güte, das hätte auch ins Auge gehen
können. Der Titel wurde glücklicherweise sehr schnell populär, so dass da
möglicherweise eine Eigendynamik entstand.
Es gab im Osten immer auch Partei-Leute, die nicht alles durch diese rote
Brille sahen, die auch mal sagten: "Mensch was soll dieses ganze Theater,
das ist ein klasse Titel, super Text, was woll’n wir mehr, es ist ein
Künstler von uns." Und diese Leute haben dann gesagt: "Das lassen wir mal
nicht groß rauskommen", auch wenn es damals Querschüsse gab, aber die
wurden unter den Teppich gekehrt. Es war ein Superhit und man ließ es
dabei. Das war auch ein wenig Glück, glaube ich.
1988 hast du eine eigene Show geplant, "Wolfgang Ziegler in Mode". Was
ist daraus geworden?
Das war auch eine sehr interessante Sache, weil dort eine Verquickung von
Mode in Bildern, als eine Art gestalteter Bilder auf einer Bühne mit
tollen Kostümen und schönen Menschen, und meiner Musik stattfand. Ich
hatte einen weißen Flügel und das Ganze wie eine Geschichte musikalisch
umrahmt. Das war etwas Neues und ein gutes Konzept. Es ist auch gut
gelaufen und die Leute sind gekommen. Aber leider ist es dann im Strudel
der Wende verschwunden, sonst hätte ich das gerne weiter gemacht.
Nach der Wende hast du 1992 bei Virgin dein Album "Wir gehören
zusammen" veröffentlicht, offenbar hat es den Wendeknick, mit dem die
meisten DDR-Künstler zu kämpfen hatten, in Bereich Schlager und
Unterhaltungsmusik kaum gegeben. Woran lag das?
Das stimmt, glaube ich, nicht, den Knick gab es bei allen und so auch bei
mir. Das hat mit Schlager und Rock kaum was zu tun, ich würde sagen, gar
nichts. Bei mir gab’s den auch total, es war die totale Ruhe, ich hatte
kurz vor der Wende Angebote von westdeutschen Plattenlabels, die sind alle
förmlich in der Luft zerplatzt. Ich hab mich dann in mein Studio gesetzt,
hab mir überlegt, was kannst du, du kannst jetzt nicht warten. Versuche,
Titel zu schreiben, und produziere sie und zwar sehr gut. Natürlich musste
ich das zunächst selbst finanzieren.
Das habe ich dann ganz genauso gemacht, im Hansastudio habe ich auf eigene
Kosten drei Titel aufgenommen. Peter Wagner hat mir damals sehr geholfen,
ein absoluter Profi, ein Tonmeister und Produzent, der auch vieles für
Maffay und Udo Jürgens gemacht hat. Wir haben drei Titel produziert, und
mit diesen drei Titeln bin ich dann nach München gereist zu Virgin und hab
sie dort vorgespielt. Das war aber schon 1992, da waren fast drei Jahre
Ruhe dazwischen. Die fanden das so gut, dass dann daraus mein nächstes
Album "Weil ich dich liebe" entstand. Das war natürlich ideal, denn ich
konnte dann im Hansastudio in Westberlin weiterarbeiten und so an meine
Karriere weiter anknüpfen.
Auf deinen Soloalben sind durchgängig auch Vor-Wende-Titel zu finden.
Was ist der Grund dafür? Ist mit heutigen Mitteln eine bessere Produktion
möglich oder sollen die Titel die Erinnerung an früher erhalten?
Wenn dann beides, aber ich weiß gar nicht, ob so viele Vor-Wende-Titel auf
meinen neuen Alben enthalten sind.
Mit "Verdammt" hab ich das wirklich versucht, aber das Original war aus
späterer Sicht nicht zu toppen. Auf der Best-Of, das ist eine Doppel-CD,
ist es logisch, dass da die besten WIR-Songs nochmal drauf sind. Ich
glaube, ich habe einen meiner Lieblingstitel vergessen: "Da schlug die
Flamme", ein ganz tolles Lied. Das habe ich auch nochmal neu aufgenommen
und das mit Erfolg. Der Titel gehört heute zu meinem festen Repertoire.
Sonst sind es eigentlich nur neue Titel gewesen. Das nächste Album kam
1993 bei Virgin heraus, das war komplett neu, dann 1997 ein neues Album
bei BMG/Amiga, natürlich mit "Verdammt". Und das nächste Album kam dann
2003 bei BMG/Ariola usw.
Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus? Wirst du zu deinem aktuellen
Album auf Tour gehen?
Ja natürlich. Mein aktuelles Album "alles & jetzt" liebe ich sehr. Ich
merke auch, dass die Leute es toll finden, das Publikum, die Fans. Ich
singe natürlich von diesem Album aktuell alle Titel auf der Bühne, gar
keine Frage. Z.Z. sitze ich gerade an dem Konzept einer Konzertvariante,
mit Musikern, mit der ich in diesem Jahr zusätzlich zu meinen andern
Auftritten auf Tournee gehen möchte, wo dann auch andere Titel zu hören
sein werden, die besten aus meiner Karriere. Ich glaube, das wird eine
tolle Sache.
Dann arbeite ich natürlich weiter mit meinem Sohn Martin de Vries an neuen
Songs, ich brauche immer einen großen Vorlauf, denn die Lieder entstehen
langsam und brauchen Zeit. Im Februar kommt dann die nächste Promo Single
aus meinem aktuellen Album in die Radiostationen, der Titel-Song meines
Album: "alles & jetzt"!
Vielen Dank, dass du dir für das Interview Zeit genommen hast.
www.wolfgangziegler.de
Interview und Vorbereitung: Nadja Notzke, Wolfram Schenck |