|
Ostrock Klassik, das gab es
noch nie, und es klingt viel versprechend. Nach dem Konzert in Erfurt sind
mir die Puhdys über den Weg gelaufen und haben bereitwillig einige Fragen
beantwortet:
Wie lange habt ihr geprobt und arrangiert, um die Stücke so mit
Orchester hinzubekommen?
Quaster: Heut' Nachmittag haben wir angefangen (lacht).
Bimbo: Die Vorarbeiten dazu fingen Anfang diesen Jahres
an...
Quaster: Ja, die Vorarbeiten Anfang diesen Jahres. Da wurden
die Arrangements geschrieben und die Platte produziert. Die Umsetzung auf
der Bühne ist wirklich jetzt erst passiert, also heute.
Bimbo: Das ist wahr, ja.
Habt ihr vorher keinen kompletten Probelauf des Programms gemacht?
Quaster: Neee...
Oder war die East Rock Symphony der Probelauf?
Quaster: Eigentlich war die East Rock Symphony die Idee für
diese jetzige Geschichte, also für diese Live-Tour.
Bimbo: Aber wir betonen, die East Rock Symphony 2006!!!
Quaster: Genau, also nicht 2007. Unser Manager kam nach dem
Konzert 2006 auf die Idee: "Wir machen da ne Tour draus. Mit allen
Beteiligten". Das ist jetzt diese hier. Dann in Verbindung ne Platte
produziert und die Arrangements geschrieben, und so weiter und so weiter.
Und jetzt haben wir das heute geprobt. Bimbo: Vorgestern
haben wir versucht, mit dem Orchester Absprachen zu treffen, aber da war
die Zeit so knapp, dass wir gerade mal für zwei Lieder Absprachen treffen
konnten. Der Zeitdruck setzte sich natürlich über den heutigen Tag fort,
weil vier Staus unterwegs waren, und das Orchester sowie diverse andere
Leute zu spät angereist sind...
Quaster: ...sind zwei Stunden später gekommen, als geplant
war. Also richtig durchgespielt haben wir gar nichts, außer einzelne Titel
angespielt, und Anfänge und Endungen abgesprochen, usw. Aber das sind ja
alles Profis, genau wie wir auch. Und deshalb geht das.
Bimbo: Dafür lief's auch unheimlich gut heute.
Wer hat die Stücke so arrangiert? Hat das jede Band für sich selbst
gemacht, oder war das Orchester alleine dafür verantwortlich?
Bimbo: Da hatten wir einen gewissen Rainer Oleak, der hier
auch mit am Keyboard gesessen hat. Er ist sonst Filmmusik-Produzent (außerdem
ehemaliges Mitglied von Neumis Rock Circus und Datzu, Anm. d. Red.)
und hat sich nebenbei in seinem Studio aus purer Freude, aber auch für
Geld, mit dem Material beschäftigt und sehr gut durchgestylt. Er hatte da
noch zur Hilfe den...
Quaster: ja, den italienischen... Alfonso
Bimbo: Genau, den Alfonso, der ja beim Babelsberger
Filmorchester auch die Feinheiten im Orchester klar rückt.
Quaster: Die müssen ja auch im passenden Moment Zeit haben
umzublättern! Sonst kann das passieren, dass sie gerade einen Lauf spielen
und dann können sie nicht umblättern. Er hat also eine Strategie ins
Arrangement gebracht, und das so aufgeteilt, dass es auch spielbar für die
Profis aus dem Orchester ist.
Nach welchen Kriterien habt ihr die Lieder ausgesucht, die ihr gespielt
habt?
Bimbo: Bekanntheitsgrad...
Quaster: Das haben alle sicherlich genauso gemacht... nach
dem Bekanntheitsgrad. Alle haben ihre Hits gespielt. Ob das Werther Lohse
war oder alle anderen. Deshalb ist das ja auch eine ganz tolle Nummer
geworden! Also ich fand, das war super. Obwohl wir kaum proben konnten,
aber dass, was wir von der Seite so mitbekommen haben im Vorfeld, das war
schon interessant. Ich glaube, das war für die Leute toll. Der Erfolg
zeigt das ja auch.
Bimbo: Uns selber konnten wir ja nicht anhören, aber Karat
und so haben uns sehr gut gefallen.
Wer hatte die Idee, "Wer die Rose ehrt" ins Programm zu nehmen?
Quaster: Na das ist ja auf der Platte drauf, als Opener.
Na die Platte ist aber erst daraufhin erschienen...
Quaster: Ne ne, die Platte ist nicht daraufhin erschienen...
achso, daraufhin, dass auch die Idee da war, ja. Das weiß ich nicht, kann
ich jetzt gar nicht sagen!
Bimbo: Das müssten wir mal recherchieren.
Quaster: Das wissen wir jetzt selber nicht.
Bimbo: Also wir beide waren es nicht. Aber wir haben nichts
dagegen.
Als Finale habt ihr "Das Buch" gespielt. War das geplant, dass ihr da
alle auf die Bühne holt, oder war das ganz spontan?
Quaster: Das war geplant. Das war eigentlich unsere
Verabschiedung, die dann in die Hosen gegangen ist, weil wir noch was
machen mussten. Wir wussten nicht so richtig, "was machen wir jetzt?".
Aber wir wollten es nicht weglassen.
Wie viele Konzerte spielt ihr jetzt auf der Tour?
Quaster: Insgesamt sechs...
Gibt es eine Chance auf eine Fortsetzung nächstes Jahr oder später?
Quaster: Wir werden sehen! Erstmal sehen, was dabei unterm
Strich rauskommt, und wie alle Beteiligten darüber denken. Vielleicht
lässt sich so was wiederholen. Aber man müsste dann eine zweite Auflage
machen. Vielleicht nicht gerade im nächsten Jahr, sondern übernächstes
Jahr. Denn dann muss ja auch wieder ne Platte gemacht werden, damit das
dann zusammen passt. Oder aber wir sind mit diesem gleichen Programm
nächstes Jahr noch mal auf Tour, und zwar in Gegenden, wo wir dieses Jahr
noch nicht waren.
...in Westdeutschland?
Quaster: Könnte sein... wenn sich der Westen dafür
interessiert! Wir sind ja in Hannover, und wir werden sehen. Vielleicht
sind ja dann andere Konzerte dabei, mal sehen, wie die Tour hier jetzt
Anklang findet, und auch was die Medien, also Zeitungen, Fernsehen und so
weiter betrifft, die man ja braucht... wodurch dann das Interesse
schließlich geweckt wird. Wer weiß, vielleicht... man soll nie "nie"
sagen! Das ist bis jetzt aber noch nicht geplant, also das würde sich dann
entwickeln.
Gibt es jetzt nach dem ersten Durchlauf Sachen, wo ihr spontan sagt,
das müssen wir anders machen?
Bimbo: Nö!
Quaster: Ich glaube, das war ganz gut durchgestylt. Es war
im Grunde ein guter Ablauf. Das hat alles gut funktioniert.
Bimbo: Das war alles stimmig...
Quaster: Da sehe ich keinen großen Bedarf, etwas zu ändern.
Es sei denn, die nächsten Konzerte belehren uns eines Besseren. Aber ich
glaube nicht, ich hatte ein gutes Gefühl dabei. Du auch, oder?
Bimbo: Auf jeden Fall! Da ist bei so einer großen Aktion
immer die Angst davor, nicht mit dem Orchester klarzukommen, also jetzt
nicht rein vom Geschmack her, sondern von den technischen Gegebenheiten,
da auch gemeinsam auf der Bühne auftreten zu können. Man bietet ja auch
unterschiedliche Lautstärken an. Die Bands sind meistens relativ laut, und
damit muss das Orchester klar kommen. Dieses Orchester kommt damit sehr
gut klar, wie ich feststellen konnte. Das war eine sehr positive
Überraschung. Alle anderen Eindrücke waren ja auch sehr gut. Warum sollte
man es eigentlich nicht weiter machen. Letztendlich müssen das die
Veranstalter entscheiden, einen Summa Summarum Strich ziehen und sagen, ob
sich das weiter verkaufen lässt, oder nicht. Heute sah es ganz gut aus.
Kommentar von Peter Meyer (abseits des Interviews mit Quaster
und Bimbo):
"Ich fand das ganz gut. Ich meine, es ist ja immer so... so ne
Riesennummer hier, mit so vielen Leuten, Technik und so, da hat man doch
schon immer ein bisschen Bammel, dass das gegen den Baum geht. Und die
Proben sind dann immer sehr aufregend. Und so war das heute auch. Manchmal
schreit auch einer! Aber es hat alles gut geklappt, denk ich. Ich war zwar
nicht unten, weiß nicht, wie es da war, aber die Leute waren gut drauf und
ich fand's toll."
www.puhdys.com
Interview: Nadja Notzke |